Die Neue Heimat - Jüdisches Leben in München zwischen den
Weltkriegen
Mordechai/Markus Blechner kommt 1910 nach München. 1914 folgt ihm
seine Frau Mina mit den Söhnen Jakob und Oskar, die noch in Galizien
geboren wurden. In München kommen Salo und Leon zur Welt. Die Familie
lebt in der Münchner Isarvorstadt, einem von den jüdischen Einwanderern
aus Osteuropa bevorzugten Wohnviertel.
1910 sind trotz der seit Ende des 19. Jahrhunderts gestiegenen Zuwanderung
nur 1,9% der Münchner Bevölkerung jüdischen Glaubens. Von
diesen 11 083 Menschen stammten etwa 20% aus Osteuropa. Sie bilden innerhalb
der Münchner jüdischen Gemeinde eine eigene, lange benachteiligte
Gruppe. Nach dem Ersten Weltkrieg wird infolge des aggressiven Antisemitismus
die Kluft zwischen der eingesessenen liberalen Gemeindemehrheit und der
orthodoxen Minderheit langsam überwunden. 1931 eröffnen die
osteuropäischen Juden eine eigene Synagoge in der Reichenbachstraße,
zu deren Mitgliedern auch die Blechners gehören.
Markus Blechner verdient wie viele Juden der Isarvorstadt als Kaufmann
den Lebensunterhalt der Familie. Erfolgreich handelt er mit Schuhbedarfsartikeln.
Auch seine beiden Söhne Jakob und Oskar arbeiten in dem Geschäft
mit. Jakob besucht die Kunden seines Vaters als Vertreter und fährt
dafür bis in die Traunsteiner Gegend und bis nach Neuötting
in Oberbayern.
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